Ich habe Trauungen erlebt, bei denen der Mittelgang ein Meer aus Smartphones war.
Und ich habe Zeremonien fotografiert, bei denen kein einziges Display zu sehen war.
Der Unterschied ist spürbar.
Wenn Gäste ihre Telefone heben, entsteht automatisch Distanz. Nicht nur visuell, sondern emotional. Der Moment wird nicht erlebt, sondern dokumentiert. Man steht nicht im Augenblick, sondern betrachtet ihn durch einen Bildschirm.
Gerade in Kirchen in der Toskana oder bei freien Trauungen am Comer See verändert das die Atmosphäre erheblich. Lichtreflexionen von Displays, ausgestreckte Arme im Bildfeld, Blicke, die nicht beim Brautpaar, sondern auf dem eigenen Gerät ruhen.
Ich verstehe das Bedürfnis, etwas festhalten zu wollen. Doch dafür bin ich da.
Eine „Unplugged Wedding“ bedeutet nicht Verzicht. Sie bedeutet Präsenz. Wenn Gäste wirklich hinschauen, wenn sie den Moment fühlen, entstehen intensivere Reaktionen. Und diese Reaktionen sind es, die ich fotografiere.
In Heidelberg habe ich einmal eine Trauung begleitet, bei der die Rednerin zu Beginn freundlich bat, alle Smartphones wegzulegen. Die Atmosphäre war sofort anders. Konzentrierter. Intimer. Man spürte, dass etwas Besonderes geschah.
Auch am Comer See oder in Paris, wo die Kulisse ohnehin beeindruckend ist, wirkt eine Zeremonie ohne technische Barrieren würdevoller. Zeitloser.
Ich empfehle diese Form nicht aus fotografischem Egoismus. Sondern weil ich überzeugt bin, dass Erinnerungen stärker sind, wenn sie zuerst erlebt und erst danach betrachtet werden.